Joseph sitzt im Klassenraum auf einer geflochtenen Matte und betrachtet konzentriert die Becher vor sich. Jeder Becher hat eine andere Größe und Zahl. Vorsichtig stapelt er sie übereinander.

Mit herausgestreckter Zunge konzentriert sich Joseph auf seinen Turm. Er fängt mit dem größten Becher als Basis an. Joseph übt das Zählen und vergleicht die Becher noch einmal, bevor er es nochmal versucht.

Joseph zählt, vergleicht die Größen und testet weiter. Der Turm wächst immer weiter, bis Joseph seinen Arm nach oben strecken muss, um den letzten Becher aufzusetzen.

„Du weißt genau, welcher Becher als nächstes kommt“, sagt Amari ermutigend. „Dein Turm wird richtig groß!“

Als Joseph den letzten Becher oben aufsetzt, schaut er Amari stolz an.

„Du hast dir viel Mühe gegeben“, sagt sie und klatscht.

Die Situation wirkt natürlich, doch Amaris Worte sind bewusst gewählt. Sie ist Parent Educator im Play to Grow-Programm von Right To Play und arbeitet mit Eltern in ihrer Gemeinde, darunter Josephs Mutter, die sie beobachtet.

Das Programm wird in sieben Gemeinden in Uganda und Tansania getestet. Es unterstützt Eltern von Kindern zwischen drei bis sechs Jahren, die frühkindliche Entwicklung ihrer Kinder zu unterstützen.

Spiele fördern hochwertige Bildung

Erwachsene spielen eine entscheidende Rolle in der frühkindlichen Entwicklung von Kindern. Studien zeigen, dass vertrauensvolle Bindungen zu Eltern und Lehrkräften, vor allem in den esten Lebensjahren, Verhalten, sozio-emotionale Entwicklung und den späteren Bildungserfolg prägen.

In Uganda, wo nur etwa 10 % der Kinder zwischen drei und fünf Jahren eine Vorschule besuchen, tragen Eltern eine besonders wichtige Verantwortung für den Zugang zu Bildung, Bildungsqualität und den Übergang in die Schulbildung.

„Durch Spiele lernen Eltern ihre Kinder besser kennen. Das stärkt die Beziehung.“ – Joel Karagwe, Grundschullehrer und Parent Educator, Play to Grow

Eltern stärken und Geschlechtergerechtigkeit fördern

Als Elternberaterin unterstützt Amari die Umsetzung des Play to Grow-Programms von Right To Play. Sie ist eine von mehr als 200 geschulten lokalen Fachkräften in Uganda und Tansania. Wie Amari, die Grundschullehrerin ist, sind alle Elternberater:innen vertraute Ansprechpartner, die bereits regelmäßigen Kontakt zu lokalen Familien haben (z. B. Lehrkräfte und Gesundheitspersonal).

Über einen Zeitraum von sechs Monate leitet sie zwölf Trainingssitzungen für Eltern. Der Fokus liegt auf zentralen Elternkompetenzen: frühkindliche Entwicklung, psychosoziale Gesundheit von Kindern sowie frühe Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten. Noch dazu treffen sich Eltern in Selbsthilfegruppen. Diese geschützten Räume fördern den Austausch, bieten psychosoziale Unterstützung und helfen dabei, Stigmatisierung und Vorurteile zu überwinden.

Während des 24-wöchigen Programms vertiefen wöchentliche Radiosendungen die Inhalte der Sitzungen zusätzlich. Behandelt werden unter anderem Konfliktlösung, spielbasiertes Lernen sowie die Stärkung des Selbstwertgefühls bei Kindern und Eltern. Da viele Familien kein Internet oder Fernsehen haben, ermöglicht das Radio allen Zugang zu den Trainings.

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Eine Gruppe von Elternberater:innen macht eine Schulung zur Entwicklung wichtiger Erziehungskompetenzen.

Fähigkeiten und psychosoziale Gesundheit stärken

Play to Grow verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse zur frühkindlichen Entwicklung mit spielbasiertem Lernen und der langjähtigen Expertise von Right To Play. Das Programm basiert auf Forschung der University of Texas und wurde an Ostafrika angepasst um Spieltherapie, Bindungsforschung und Entwicklungspsychologie zu verbinden. Ziel ist es, starke Eltern-Kind-Beziehungen zu fördern und Eltern zu zeigen, wie man spielerisches Lernen in den Alltag einbinden kann.

Als Amari mit Joseph spielte, überließ sie ihm die Führung. Sie gab keine Anweisungen, sondern sie begleitete sein Lernen durch aufmerksame Beobachtungen und ermutigende Sprache („Du probierst jede Farbe aus“). Statt nur das Ergebnis zu loben, hebt sie gezielt seine Anstrengung hervor („Du hast so hart gearbeitet“). Das stärkt Selbstwertgefühl, psychosoziale Gesundheit und Lernmotivation.

„Was wir gelernt haben, wird die Beziehung zwischen Kindern und Eltern verbessern." – Rosette Owamahoro, Grundschullehrerin und Mutter, Uganda

Durch die Arbeit der Elternberater:innen lernen Familien, Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten spielerisch in den Alltag zu integrieren. Gleichzeitig fördern sie positives Verhalten, aktives Lernen und gewaltfreie Erziehung.

Die Wirkung ist bereits sichtbar: In Tansania sank der Anteil der Eltern, die angaben, ihr Kind anzuschreien, von 45 % auf 0 %. Damit trägt das Programm dazu bei, Gewalt in der Erziehung abzubauen und Kinderrechte sowie Kinderschutz zu stärken.

Ruhigere und spielerische Familienumfelder fördern zudem auch die psychosoziale Gesundheit von Kindern und reduzieren Stress, besonders in von Armut und Flucht betroffenen Gemeinden. In Uganda werden Materialien mehrsprachig bereitgestellt, um inklusiven Unterricht und Zugang zu Bildung zu fördern.

Monica Millinga, Projektbegleiterin in Tansania.

PSYCHOSOZIALE UNTERSTÜTZUNG FÜR ELTERN UND KINDER

„Play to Grow“ stärkt nicht nur die psychosoziale Gesundheit von Kindern, sondern bietet auch wichtige psychosoziale Unterstützung für Eltern. In den Eltern-Selbsthilfegruppen schafft Amari einen vertrauensvollen Raum, in dem sich Familien austauschen und gegenseitig unterstützen. In einer Sitzung zum Thema Sicherheit sprechen die Teilnehmenden darüber, wie sie ihre Kinder schützen und gleichzeitig auf ihr eigenes Wohlbefinden achten. Amari macht auch Übungen zur Selbstfürsorge. Sie lädt die Eltern ein, die Augen zu schließen, tief durchzuatmen und über die Emotionen nachzudenken, die sie gerade empfinden.

Zum Abschluss der Aktivität bittet Amari die Eltern, eine Hand auf ihr Herz zu legen und tief einzuatmen.

„Schenkt Euch bewusst Entspannung und Freundlichkeit“, sagt sie.


Das Projekt „Play to Grow“ wird unterstützt von:

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