Libanon: Bilas Weg zum FIFA-Schiedsrichter
Bilal leitet als internationaler FIFA-Schiedsrichter souverän das Spiel. Doch in Al Qobbeh, Tripolis, ist er weit mehr: Mentor, Vorbild und ein Beispiel dafür, wie Sport und Spiel Perspektiven schaffen.
Früher trainierte er mit Flaschendeckeln als Hütchen oder Holzplanken als Tore. Viele zweifelten an ihm.
2017 lernte er Right To Play kennen. Er erkannte in Schulungen, dass Fußball Kindern einen sicheren Raum bietet und Teamgeist, Empathie und Durchhaltevermögen fördert.
Aus einem Spieler mit einfachen Mitteln wurde ein zertifizierter Trainer, Gründer von zwei Fußballakademien und schließlich ein internationaler FIFA-Schiedsrichter.
CHANCEN im Libanon SCHAFFEN
Bilal wuchs in Al Qobbeh auf, einem der am stärksten benachteiligten Viertel in Tripolis. Sichere Orte zum Spielen gab es kaum und ohne Unterstützung fehlten vielen Kindern Chancen auf frühkindliche Entwicklung, Schulbildung und einen geschützten Raum.
Als Jugendlicher begann er, Fußballtreffen zu organisieren, um Kindern einen sicheren Ort zum Spielen und Lernen zu bieten.
Anfangs wurde er belächelt. „Sie fragten mich: Was machst du da? Wie soll dir das jemals helfen?“, erinnert er sich. Doch Bilal erkannte, dass Kinder mehr brauchen als nur einen Ball: Sie brauchen Ermutigung, Struktur und psychosoziale Unterstützung.
Mit Fußball vermittele ich Selbstvertrauen und Empathie. – Bilal
Fußball vermittelt soziale Kompetenzen
Über das KNVB World Coaches Trainingsprogramm, einer Initiative von Right To Play und dem Königlich Niederländischen Fußballverband (KNVB), lernte er, wie Sport für Entwicklung und spielbasiertes Lernen Kindern Kompetenzen vermittelt.
„Ich habe gemerkt, dass ich durch Fußball so viel mehr lehren kann als die Technik: Selbstvertrauen, Empathie, Teamarbeit – Dinge, die Kinder oft noch mehr brauchen, als Tore zu schießen“, sagt er.
Heute ist er zertifizierter Coach und leitet Aktivitäten in ganz Nordlibanon, darunter auch Camps für vertriebene Kinder.
GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT DURCH SPORT
In Bilals Akademien trainieren heute über 150 Kinder, darunter viele Mädchen. Lange hatten sie in Tripolis kaum Zugang zu Sport. Geschlechterungleichheit, Vorurteile und Diskriminierung schlossen sie oft aus.
„Der größte Unterschied, den Right To Play in meinem Leben gemacht hat, waren meine Zertifikate und die Trainerausbildung. Das hat mein Selbstvertrauen gestärkt und mir neue berufliche Chancen eröffnet“, sagt er.
Seine Akademien sind mehr als nur Fußballvereine. Sie schaffen sichere Räume für Kinderschutz, psychosoziale Unterstützung und aktives Lernen. Kinder können hier ohne Angst spielen, werden ermutigt und entwickeln wichtige sozio-emotionale Kompetenzen wie Disziplin, Zusammenarbeit und Selbstvertrauen. Einige von Bilals ersten Spieler:innen sind inzwischen selbst Trainer:innen geworden und geben ihre Erfahrungen weiter.
FÜHRUNG DURCH SPORT FÜR ENTWICKLUNG
Bilals Entwicklung endete nicht beim Coaching. Bereits 2009 wurde er offizieller Schiedsrichter der libanesischen nationalen Fußballliga. 2023 erfüllte sich sein Kindheitstraum: Er wurde FIFA-Elite-Schiedsrichter und leitet seitdem Spiele auf internationaler Ebene. Zusätzlich ist er zertifizierter Trainer der Asian Football Confederation und gibt sein Wissen als Life-Skills-Trainer an andere Coaches weiter.
Wenn ich es bis zum Profisport geschafft habe, können das alle Kinder. – Bilal
Wirtschaftliche Krisen, politische Unruhen und die COVID-19-Pandemie erschwerten Bilals Arbeit. Viele Familien konnten sich seine Sportangebote nicht leisten und Schulen wurden geschlossen. Doch immer wieder fand Bilal Wege, sich anzupassen: Er verlegte Trainings oder bot seine Einheiten kostenlos an. Von den Straßen Tripolis bis auf die internationalen Fußballfelder zeigt Bilal, welche Kraft in Sport steckt.
KINDERN PERSPEKTIVEN ERMÖGLICHEN
Bilals Vision ist klar: Jedes Kind im Libanon soll spielen, lernen und träumen können. Fußball und mit Mentoring stärken ihr Selbstvertrauen, damit sie Herausforderungen meistern.
Durch seine Trainings gestalten viele junge Menschen heute ihre Zukunft und stärken selbst ihre Gemeinden. Seine Geschichte zeigt, wie Sport Menschen stärkt und Hoffnung schenkt, selbst unter den schwierigsten Bedingungen im Libanon.
