Mali: Antou entkommt Kinderheirat
Antou sollte mit 11 Jahren verheiratet werden – stattdessen gab es für sie einen Weg zurück in die Schule
Antou flüchtete mit ihrer Mutter und Geschwistern vor fünf Jahren aus der Region Douentza vor bewaffneten Konflikten. Mit kaum mehr als dem, was sie am Leib trugen, kamen sie in dem ca. 175 km südwestlich gelegenen Sévaré an. Sie hatten kein Geld, keine Papiere, keinen festen Wohnort. In dieser Lage drängt sich in einer Lebenswelt wie Mali eine Kinderheirat auf: um Mädchen zu versorgen und ein Familienmitglied weniger durchbringen zu müssen.
Kinderheirat in Mali
Mali hat eine der höchsten Raten an Kinderheiraten weltweit – rund 52 % der Mädchen werden vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Für vertriebene Familien liegt die Quote noch höher.
Antous Frühverheiratung wird verhindert
Da hörte Mariam von Antou. Sie ist Vorsitzende von AKOS, einer Organisation in Sévaré, die im Rahmen des EMPOWER-Projekts von Right To Play geschult wird. Sie klopft an Türen, setzt sich mit Familien zusammen und spricht in der Sprache, der die Familien vertrauen: ihrer eigenen.
Mit der Unterstützung von EMPOWER knüpfte Mariam Kontakte zu den lokalen Kinderschutzbehörden und konnte in Antous Fall eingreifen. Mit den lokalen Behörden zusammen verhinderte sie die Heirat der Elfjährigen und begleitete die Familie bei der Beantragung von Antous Geburtsurkunde.
„Als ich von diesem kleinen Mädchen hörte, sagte ich: Nein. Nicht, solange ich es verhindern kann“, erinnert sich Mariam. „Antous Fall hat positive Veränderungen bewirkt. Er hat dazu beigetragen, Diskussionen innerhalb der Gemeinde anzustoßen. Wenn es heute zu Fällen von Kinderheirat kommen soll, sagen die Menschen: „Lasst uns zu AKOS gehen.“
Durch Spiele Selbstvertrauen stärken
Schon wenige Wochen nach der Anmeldung im Lernzentrum bemerkte Kadidiatou, Antous Lehrerin, eine Veränderung. „Als Antou zu uns kam, war sie sehr schüchtern und hatte Schwierigkeiten beim Lernen. Doch dann fing sie an, bei den Spielen mitzumachen. Bald half sie anderen Kindern, die Spiele zu verstehen“, erinnert sich Kadidiatou. Das Lernzentrum, das auf kindgerechte, spielerische Methoden ausgerichtet war, motivierte sie, sich zu beteiligen, mitzudiskutieren. Sich laut zu irren und es erneut zu versuchen.
„Jetzt hebt Antou als Erste die Hand." – Kadidiatou, Lehrerin
Antous schulischer Fortschritt geht Hand in Hand mit ihrem gewachsenen Selbstvertrauen. Sie gehört mittlerweile zu den besten Leserinnen in ihrer Gruppe!
Ihre Mutter und ihr Vormund gehören heute zu den größten Befürwortern ihres Schulbesuchs und ihrer Bildung.
Antou entscheidet über ihre Zukunft
Fragt man Antou, was sie später einmal werden möchte, zögert sie nicht. „Ich möchte Lehrerin werden und Mädchen wie mir helfen“, sagt sie.
Der Satz fasst die ganze Geschichte zusammen – die Angst, die glückliche Wendung ihres Schicksals, die Willensstärke, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden.
AKOS führt in ganz Sévaré weiterhin Aufklärungsveranstaltungen zum Thema Kinderheirat durch – Veranstaltungen, die Männer und Frauen zusammenbringen und die langsam, aber messbar, zu einer Verhaltensänderung führen.
EMPOWER – finanziert von Global Affairs Canada und umgesetzt von Right To Play – ist in von Konflikten betroffenen Regionen tätig, um sicherzustellen, dass vertriebene und schutzbedürftige Kinder, insbesondere Mädchen, Zugang zu sicherer, inklusiver Bildung erhalten. In Sévaré und seinem Bezirk Mopti bedeutet das nicht nur, Klassenzimmer zu bauen, sondern auch, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verändern, sodass auch Mädchen Bildung erhalten.
EMPOWER wird auch von der kanadischen Regierung durch Right To Play Global Affairs Canada unterstützt.
