Eine Gruppe von angesehenen Persönlichkeiten der Gemeinde von Mopti, Mali sitzt im Schatten eines großen Baumes und führt eine angeregte Diskussion.

Sie sind alle Männer – bis auf eine Frau. Sie heißt Aminata. Gekleidet in leuchtendem Pink und strahlendem Blau, fesselt sie die Aufmerksamkeit der Gruppe, während sie über die Bedeutung der Schulbildung für Kinder spricht – insbesondere für Mädchen und Kinder mit Behinderungen.

Aminata ist die Präsidentin eines Zusammenschlusses von sieben Siedlungen für Geflüchtete, die eine gemeinnützige Organisation gegründet haben. Diese wird von den Bewohnern selbst organisiert und geleitet. Sie setzten sich für die Lösung von Problemen ein, die Menschen vor Ort betreffen. Mit Unterstützung von Right To Play arbeitet Aminatas Organisation daran, Bildungshindernisse für Binnenflüchtlingskinder in Mopti zu beseitigen.

Der anhaltende Konflikt in Mali, aufgrund dessen fast 400.000 Menschen fliehen mussten, hat vielen Kindern den Zugang zur Schule verwehrt. Schulen schließen oder es wird zu gefährlich, sie zu erreichen. Faktoren wie Armut, Zwangsheirat und Kinderarbeit – die in Krisenzeiten häufiger auftreten – erschweren die Rückkehr in die Schule.

Landesweit mussten mehr als 1.700 Schulen aufgrund von Bedrohungen durch bewaffnete Gruppen, mangelnder Infrastruktur und fehlenden Ressourcen schließen. Auch Lehrkräfte, die selbst um ihre Sicherheit fürchten, verlassen ihre Klassenzimmer. Diese Unterbrechungen haben dramatische Auswirkungen auf das Bildungswesen: Über 2,3 Millionen Kinder in Mali gehen nicht zur Schule, und mehr als 50 % der Jugendlichen sind Analphabeten.

Auch Aminata war von der anhaltenden Gewalt betroffen und musste 2019 ihr Heimatdorf verlassen. Sie und ihre Familie litten unter Nahrungsmittelknappheit, fehlender Kleidung und Obdachlosigkeit sowie gesundheitlichen Problemen. Doch sie wusste, dass sie nicht allein war.

„All diese Schwierigkeiten haben mich dazu motiviert, eine Organisation zu gründen, um der Gemeinschaft zu helfen – insbesondere den Kindern“, sagt Aminata.

Aminata ist die Leiterin einer Organisation von Vertriebenen, die sich dafür einsetzt, dass Kinder trotz des Konflikts Zugang zu hochwertiger, spielbasierter Bildung erhalten.

BILDUNG FÜR VERTRIEBENE KINDER

Nach ihrer Ankunft in Mopti gründete Aminata die gemeinnützige Organisation, um sicherzustellen, dass vertriebene Kinder Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung haben. Die Erfahrung und Expertise der Mitglieder sind entscheidend für die Lebensqualität junger Vertriebener und machen die Gruppe zu einem starken Partner für das EMPOWER-Projekt von Right To Play. Dieses Projekt, finanziert durch die kanadische Regierung, zielt darauf ab, die Lese- und Schreibfähigkeiten sowie die Lebenskompetenzen von Kindern im Alter von sechs bis 12 Jahren in den Regionen Mopti und Gao zu verbessern, insbesondere von Mädchen und Kindern mit Behinderungen.

Durch EMPOWER unterstützt Right To Play gemeinnützige Organisationen, die von vertriebenen Personen und Frauen geleitet werden, das Projekt lokal umzusetzen. Es werden Schulungen zu Themen wie Frauen in Führungspositionen, Verwaltungsverfahren, partizipative Bedarfsanalyse und spielerische Lernmethoden angeboten, um die Organisationen zu stärken und ihre Wirkung zu steigern.

Diese Möglichkeit zum Austausch von Kapazitäten ist entscheidend, da Aminata und ihre Kolleginnen und Kollegen vor Ort für das Recht der vertriebenen und aufgenommenen Kinder auf qualitativ hochwertige, spielbasierte und geschlechtergerechte Bildung eintreten. Sie verstehen lokale Herausforderungen, bringen oft unterrepräsentierte Perspektiven in Entscheidungsprozesse ein und sind ermächtigt, die Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen. So übernehmen sie Verantwortung für nachhaltige Veränderung.

„Wenn du die Bedürfnisse deiner Gemeinde nicht verstehst, bist du kein:e gute Führer:in.“ — Aminata

Bis heute hat Aminata mit ihrem Team 258 Kinder registriert, die einen Geburtsnachweis benötigen, und hat 100 dieser wichtigen Dokumente ausgestellt. Viele Kinder in Mali haben aufgrund von Vertreibung keinen Zugang zu Original-Geburtsurkunden. Ohne dieses Dokument können sie nicht zur Schule gehen.

Durch die Arbeit der Organisation werden insgesamt 273 Kinder im kommenden Schuljahr wieder eingeschrieben.

Dank der Zusammenarbeit mit Right To Play erhalten die Kinder einen qualitativ hochwertigen Unterricht. Spiele werden aber nicht nur im Unterricht, sondern auch bei Versammlungen von Gemeindemitgliedern und Eltern eingesetzt. Ehrenamtliche, die von Right To Play in spielbasierten Methoden geschult wurden, haben so das Bewusstsein für die Bedeutung der Schulbildung, insbesondere für Mädchen, bei Hunderten Kindern, Eltern und Gemeindemitgliedern geschärft.

Bildung für Mädchen

Laut Aminata ist das größte Hindernis, die Eltern davon zu überzeugen, wie wichtig die Bildung für Mädchen ist.

Weniger als 74 % der Mädchen in Mali sind in der Grundschule eingeschrieben (im Vergleich zu 86 % der Jungen), und diese Zahl sinkt auf 15 % in weiterführenden Schulen.

„Jeden Tag gehe ich in die Schule, um zu überprüfen, ob die Schüler:innen anwesend sind“, sagt sie. Wenn ein Kind fehlt, fragt Aminata den Dorfwächter nach Informationen oder besucht die Familie des Kindes, um herauszufinden, warum es nicht im Unterricht ist.

„Oft sind es die Mädchen, die fehlen, also mache ich die Eltern auf die Bedeutung der Bildung von Mädchen aufmerksam, indem ich erkläre, dass ein gebildetes Mädchen die Führung einer großen Organisation übernehmen und zum Frieden und Wohlstand einer ganzen Gemeinschaft beitragen kann.“

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Aminata und die Bewohner:innen, die die gemeinnützige Organisation bilden, bringen wichtige, oft unterrepräsentierte Perspektiven in Entscheidungsprozesse ein. So erreichen sie verbesserte Bildungsergebnisse für binnen vertriebene Kinder, insbesondere Mädchen.

Geschlechterungleichheit beschränkt sich nicht nur auf Schulen. Sie ist in Mali, einem Land mit einer der am schnellsten wachsenden Bevölkerungen der Welt, weit verbreitet. Das Land belegt den 188. Platz von 193 Ländern im Gender Inequality Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen. Die Rechte von Frauen und Mädchen sind durch eine stark patriarchalische Kultur eingeschränkt. Mädchen sind Geschlechternormen ausgesetzt, die zu schädlichen Praktiken wie Zwangsverheiratung, geschlechtsspezifischer Gewalt und weiblicher Genitalverstümmelung beitragen.

Als respektierte Führungspersönlichkeit in ihrer Gemeinde stellt Aminata viele der negativen Stigmen infrage, mit denen Frauen und Mädchen konfrontiert sind.

„[Früher] war es selten, eine Frau zu sehen, die eine Organisation leitet, die aus lokalen Häuptlingen, Standortleitern und traditionellen Gemeindeführern besteht … Dank der Right To Play-Schulung haben die Männer den Wert von Frauen und die Bedeutung der Zusammenarbeit mit uns verstanden.“

Der Einfluss ist nicht nur auf Führungsebene zu spüren. Aminata erkennt die Bedeutung, ein Vorbild für Mädchen in der Gemeinde zu sein.

„Mädchen müssen eine weibliche Stimme hören, die ihnen Mut gibt, die ihre Situation kennt.“ — Aminata

„Manchmal sind Mädchen beeindruckt, mich als Führungskraft mit den Männern sprechen zu sehen“, sagt sie – Männer wie die Gemeindehäuptlinge und lokalen Führer, mit denen sie im Schatten sitzt und für Veränderungen eintritt.

Gemeinnützige Organisationen stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, die Bildung für binnen vertriebene Kinder zu verbessern. Mit Führungspersönlichkeiten wie Aminata an ihrer Seite und der Kraft des Spiels lernen junge Malier, was sie benötigen, um bessere Zukunftsperspektiven für sich selbst und eine sicherere, stabilere Zukunft für ihr Land aufzubauen.