Am goldenen Sandstrand von Cap Skirring im Senegal sieht die 14-jährige Fatou ihrer Trainingspartnerin direkt in die Augen. Sie geht tief in die Hocke, stürzt sich nach vorne und greift mit einer schnellen, geübten Bewegung nach den Armen ihrer Gegnerin. Mit einer fließenden Drehung wirft Fatou sie in den Sand. Fatou klatscht und lacht. Sie hat diese Runde gewonnen. Für Fatou ist Ringen mehr als nur Sport. Es ist eine Chance, ihre Stärke zurückzugewinnen und sich gesellschaftlichen Erwartungen zu stellen, die lange ihr Leben bestimmt haben.

Doch der Weg dahin war nicht einfach. Freunde verspotteten sie und warnten Fatou, dass sie niemals Kinder bekommen könne, wenn sie weiter ringe. Nachbarn beschimpften sie und sagten, Sport sei nichts für ein verschleiertes muslimisches Mädchen. Selbst ihr Hijab wurde zur Herausforderung, als er bei ihrem ersten Wettkampf verrutschte und sie den Kampf verlor.

Trotz dieser Vorurteile weigerte sich Fatou aufzugeben. Heute ist sie Profisportlerin und wurde ausgewählt, Senegal bei den Olympischen Jugendspielen 2026 in Dakar zu vertreten. Durch die Unterstützung von Right To Play stärkte sie ihr Selbstvertrauen und ihr Wiederstandsfähigkeit, weiter zu kämpfen – nicht nur für sich, sondern um Mädchen zu stärken und Geschlechterdiskriminierung zu überwinden.

Durch das Ringen hat Fatou Kraft und Selbstvertrauen aufgebaut und ihre Stimme gefunden.

Gesellschaftliche NORMEN hinterfragen

Mit neun Jahren sah Fatou im Fernsehen, wie Wrestlerinnen zu Champions gekrönt wurden. Inspiriert davon beschloss sie, selbst in den Ring zu steigen. Wrestling wurde zu ihrem Traum.

„Sie sagten mir, dass Sportlerinnen keine Kinder bekommen können.“
- Fatou

Aber in einem Land, in dem Geschlechterungleichheit und soziale Normen weiterhin die Zukunftsperspektiven von Mädchen einschränken, hatte dieser Traum seinen Preis. Im Senegal werden viele zu einer Kinderheirat gedrängt oder erleben Gewalt , wenn sie sich den gesellschaftlichen Erwartungen widersetzen. Rund 31 % der Frauen werden vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet, 9 % sogar vor ihrem 15.

Ihre Nachbarn gingen noch weiter, stellten ihre Moral infrage und behaupteten, dieser Sport sei wegen der Kleidung nicht mit dem Glauben vereinbar.

Bei ihrem ersten großen Wettkampf fiel ihr Hijab mitten im Kampf herunter. Fatou entschied sich, lieber auszusteigen, als ohne Kopfbedeckung weiterzuspielen. Sie verlor das Match.

Mädchen durch Sport stärken

Durch das RECAF-Jeu-Projekt, finanziert von Global Affairs Canada und umgesetzt von Right To Play in Zusammenarbeit mit der Liverpool Football Club Foundation gewinnen über 10.000 junge Menschen – insbesondere Mädchen – in Sédhiou und Ziguinchor durch Sport und Spiel Selbstvertrauen, Führungsqualitäten und sozio-emotionale Kompetenzen.

Durch sichere Räume, Sportequipment, Hygieneartikel für Mädchen und Trainings zu Lebenskompetenzen wie Zielsetzung und Resilienz unterstützte das Projekt Fatou dabei, ihr Potenzial zu entdecken.

„Right To Play hat uns gelehrt, dass man sein Ziel klar definieren und mit Selbstvertrauen hart daran arbeiten muss, um es zu erreichen“, sagt Dieynaba, Fatous Trainerin. „Seit der Zusammenarbeit mit Right To Play ist unser Team stärker und enger zusammengewachsen.“

„Sie haben mir gezeigt, dass man sich Ziele setzen muss und niemals aufgeben darf“, sagt Fatou über Right To Play.

Fatou - Senegal - Web Image 1
Fatou trainiert mit dem Coach am Strand, perfektioniert ihren Griff und baut mit jedem Wurf ihrer Flip-Flops Kraft auf.

EIN VORBILD für Mädchen

Trainerin Dieynaba hat Fatous Verwandlung hautnah miterlebt. „Am Anfang war Fatou mutig, hatte aber nur begrenzte technische Fähigkeiten. Sie wusste noch nicht, wie sie ihren Körper richtig einsetzt, sich verteidigt oder gegnerische Bewegungen lesen soll. Außerdem fehlte ihr Unterstützung aus ihrer Gemeinde.", erinnerte sie sich. „Die Leute entmutigten sie und sagten, Ringen sei nichts für Mädchen. Aber mit der Unterstützung von Right To Play änderte sich alles. Fatou gewann Selbstvertrauen, verbesserte ihre Technik und wurde zu einem Vorbild. Jetzt wollen alle so sein wie sie.“

„Fatous hat mehr als zehn Mädchen inspiriert, auch zu ringen.“
- Coach Dieynaba

Neben dem Ringer-Training nahm Fatou an Veranstaltungen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit teil. „Ich habe gelernt, was geschlechtsspezifische Gewalt ist und wie ich mich und andere Mädchen schützen kann“, sagt sie. Dieses Wissen gibt sie heute weiter.

Fatou - Senegal - Web Image 2

SELBSTVERTRAUEN Stärken

Durch die Workshops von Right To Play zu Geschlechtergerechtigkeit und Gewaltprävention lernte Fatou, dass ihre Stimme zählt. „Ich habe gelernt, mich selbst zu schützen und anderen zu helfen“, sagt sie.

„Right To Play hat mir Mut gemacht.“
- Fatou

Heute ist Fatou nicht nur eine talentierte Ringerin, sondern auch Mentorin und Fürsprecherin für inklusiven Sport. Sie unterstützt besonders jüngere Mädchen mit Hijab und zeigt ihnen, dass Glaube, Bildung und Sport miteinander vereinbar sind.

Ihr Traum ist es nun, Senegal bei Olympia zu vertreten und zu beweisen, dass Mädchen aus ländlichen Gemeinden globale Höhen erreichen können, ohne ihre Kultur und ihren Glauben aufzugeben.

„Ich möchte zeigen, dass Mädchen alles schaffen können – sogar Ringen.“
- Fatou


Das Projekt „Renforcement des capacités des filles par le sport et le jeu“ (RECAF-Jeu), das von Right To Play mit finanzieller Unterstützung von Global Affairs Canada durchgeführt wird, unterstützt junge Menschen, insbesondere Mädchen, in Sédhiou und Ziguinchor im Senegal dabei, Lebenskompetenzen zu erwerben, Geschlechtergerechtigkeit zu fördern, soziale Barrieren zu überwinden und durch Sport eine Führungsrolle zu übernehmen. Bis heute hat das Projekt über 10.000 junge Menschen erreicht.

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