Gilbert zeichnet die letzten Linien seines Herzensprojekts. Er befindet sich in seinem finalen Jahr an der Universität für Ingenieurwesen, denkt aber jetzt schon darüber nach, was als nächstes kommt. Gilbert hat große Pläne: Er will Bauingenieur werden und erschwingliche und zugängliche Wohnungen für Menschen mit Behinderungen entwerfen und bauen. Für Menschen, deren Leben vom ruandischen Völkermord von 1994 geprägt ist, genau wie seine eigene Familie.

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Gilberts Mutter ist eine Überlebende des Völkermords. Sie wird jedoch tagtäglich von den traumatischen Erinnerung verfolgt. Darüber, dass sie angegriffen und verletzt wurde und nicht in der Lage war, sich um ihren Sohn zu kümmern. Während sich seine Mutter wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung befand, wuchs Gilbert bei seiner Großmutter am Rande von Kigali, der Hauptstadt Ruandas, auf. Es war ihm peinlich vor Gleichaltrigen zuzugeben, ohne Eltern aufzuwachsen. Das machte ihn zu einem schüchternen, einsamen Jungen mit wenigen Freunden. "Als ich aufwuchs, fühlte ich mich sehr allein. Ich war hoffnungslos", erzählt er über diese Zeit in seinem Leben.

Eine Mittelohrentzündung aus der frühen Kindheit führte zur Schwerhörigkeit, die ihm Schwierigkeiten bereitete, mit anderen Kindern zu kommunizieren, dem Unterricht in der Schule zu folgen und sich mit Bezugspersonen, wie seiner Großmutter, verbunden zu fühlen.

"Ich habe mich einsam, hilflos und isoliert gefühlt!" - Gilbert

Gilberts Großmutter weigerte sich, aufzugeben. Sie war der festen Überzeugung, dass ein intelligenter Junge wie Gilbert nur eine faire Chance bräuchte. Mit seinen 12 Jahren ermutigte sie ihn, an einem örtlichen Pfadfinderprogramm (Rwanda Scouts Association) teilzunehmen, das auf Kinder mit Behinderungen und Hörschwierigkeiten zugeschnitten ist. Geleitet werden diese Programme von behinderten und tauben Coaches, die als Vorbild für ein selbstbestimmtes und vernetztes Leben gelten und Kindern so Hoffnung zurückgeben.

Die Rwanda Scouts Association hat dieses Programm mit Hilfe von Right To Play ins Leben gerufen. Spielerische Methoden zur Verbesserung der Bildungsqualität von Kindern mit körperlichen oder geistigen Behinderungen werden hier eingesetzt. Die unterschiedlichen Formen von Spiel helfen den Kindern, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken, zu verstehen und zu entfalten, anstatt sich durch das zu definieren, was sie nicht tun können. Geeignete Lehrmethoden und Ermutigung unterstützen die Kinder Hindernisse zu überwinden und ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

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Gilbert blühte in dem Programm regelrecht auf. Seinen Coach Nyandwi, der körperlich eingeschränkt ist, sah er als Vorbild an und begann sich weniger isoliert zu fühlen. "Ich bewunderte seinen Mut und wollte ihn nachahmen", sagt Gilbert. Die Spiele, die er mit anderen Kindern spielte, stärkten seine Fähigkeit, sich mit Hilfe von Zeichen und anderen Techniken besser zu verständigen. Nach jedem Spiel hatten die Teilnehmer die Möglichkeit das Spiel zu reflektieren, ihre Meinung zu äußern und sich auszudrücken. Sein gestärktes Selbstvertrauen nahm ihm die Angst, jemanden um Hilfe zu bitten, sich zu wiederholen oder lauter zu sprechen.

Zusätzlich entdeckte Gilbert in den vielseitigen Arten des Ausdrucks, dass er eine zeichnerische Begabung hat. Besonders Spaß machte ihm das präzise und detaillierte Zeichnen von Gebäuden. In der Highschool verfolgte er sein Interesse, indem er Fächer zu Bauwesen, Naturwissenschaften und Technik belegte.

"In der Oberstufe war ich schon selbstbewusster. Durch die Erfahrung, die ich durch Right To Play sammeln durfte, konnte ich Theaterspiele und Lernspiele anleiten." - Gilbert

"Das Right To Play Programm motivierte mich, meiner Leidenschaft nachzugehen." Bis zu seinem Highschool Abschluss nahm Gilbert an Right To Play Programmen teil.

"Aufgrund meiner Leidenschaft zum Zeichnen von Gebäuden beschloss ich, meinen Weg zum Ingenieurwesen zu schaffen", sagt er. Weniger als einer von 20 Schülern in Ruanda schafft es auf die Universität. Gilbert war einer von ihnen, trotz der Herausforderungen, die er bewältigen musste, um dorthin zu gelangen. Nachdem er die High School mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, schrieb er sich an einer angesehenen Hochschule in Ruanda ein, um Bauingenieurwesen zu studieren. Er sagt, dass er die Kommunikationsfähigkeiten, die er durch Right To Play gelernt hat, jeden Tag in Präsentationen, Aufgaben und Teamprojekten einsetzt.

"Das Beste was ich gelernt habe, ist mit anderen zusammenzuarbeiten. Ingenieurwesen erfordert enge Zusammenarbeit. Die Fähigkeit im Team zu arbeiten hat mir geholfen, das Studium gut zu meistern und mich an den Zielen und Bedürfnissen meiner Gruppe zu orientieren.", sagt er.

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Nun ist Gilbert bereit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. "Ich will ein selbstständiger Unternehmer sein", sagt Gilbert. Er träumt davon, nach seinem Abschluss ein eigenes Ingenieurbüro zu eröffnen, eines, das sich auf erschwingliche, zugängliche und umweltfreundliche Wohnungen für Familien wie seine konzentrieren wird.

"Ich glaube, dass meine Zukunft großes für mich bereithält. Ich habe schon großartiges gemeistert und meine Zukunft kann nur besser werden. Ich träume davon, das Schicksal meiner Familie zu verändern und meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.