In einem leuchtend blauen Trainingsanzug steht Coach Hamadoun auf der roten Erde in Mopti, Mali, und erklärt zwanzig Kindern die Regeln eines Dreibeinrennens. Paarweise bindet er ihre Beine zusammen. Dann geht es los. Lachend versuchen die Kinder, im Takt zu bleiben. Das Spiel „Walk on Three Legs“ macht nicht nur Spaß, sondern zeigt spielerisch, wie wichtig Teamarbeit ist.

Gerade im konfliktreichen Mali ist ein Spiel besonders bedeutsam. Mehr als 390.000 Menschen sind auf der Flucht. 1,6 Millionen Kinder benötigen dringend Schutz vor Gewalt und Ausbeutung.

Viele der Kinder haben Gewalt erlebt. Sie mussten fliehen und konnten keine Schule besuchen. „Die Kinder sind stark von Stress und traumatischen Erfahrungen geprägt“, sagt Hamadoun. „Anfangs wollten sie nicht miteinander spielen. Jeder blieb für sich.“

Durch Spiele lernen sie, wieder zu vertrauen und fühlen sich in Sicherheit! Die Kinder finden einen sicheren Ort, wo sie ihre Gefühle ausdrücken, miteinander kommunizieren und neue Stärke entwickeln können.

Heute laufen sie gemeinsam lachend über das Feld. Die Kraft des Spiels ist spürbar.

Kinder verarbeiten Traumata mit Coach Hamadoun.

Das Recht auf Bildung

Die spielerischen Aktivitäten sind Teil des EMPOWER-Projekts, das von Global Affairs Canada unterstützt wird. Gemeinsam mit 80 weiteren Coaches stärkt Hamadoun durch Spiele die mentale Gesundheit von Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren. Durch die Aktivitäten trainieren sie auch das Lesen, Schreiben und Rechnen.

Der Bedarf ist groß in Mali: Rund 1.700 Schulen wurden geschlossen. Faktoren wie Armut, Kinderarbeit und Zwangsheirat erschweren mehr als zwei Millionen Kindern den Schulbesuch. Infolgedessen können zwei Drittel der Zweitklässler und fast 90 % der Fünftklässler nicht lesen oder schreiben.

Durch das Projekt haben 37.000 Kinder wieder Zugang zu Bildung. Gleichzeitig weiß Hamadoun, dass Lernen nur gelingt, wenn die Verarbeitung von Emotionen möglich ist. Die psychosoziale Gesundheit der Kinder zu fördern, ist für ihn der zentrale Schwerpunkt.

Hamadoun kennt diese Belastungen selbst: Als er 28 Jahre alt war, zwangen ihn bewaffnete Soldaten, sein Dorf zu verlassen.

„Ich weiß, dass Spielen Kindern hilft, die Folgen von Krisen zu bewältigen.“ – Coach Hamadoun

„Ich wusste, dass Spielen die körperliche Fitness stärkt“, sagt Hamadoun. „Aber dass es Stress reduziert sowie kognitive Fähigkeiten fördert, habe ich erst durch die Schulungen von Right To Play gelernt.“

Kinder drücken ihre Gefühle oft durch indirekte Kommunikation aus, beispielsweise im Spiel. Spielen schützt Kinder vor den psychologischen Auswirkungen von Traumata und Trauer und unterstützt gleichzeitig ihre soziale Entwicklung.

Hamadoun beobachtet, wie sich Kinder in seinen Klassen öffnen. „Kinder arbeiten zusammen, kommunizieren und spielen miteinander“, sagt er.

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Durch Hamadouns spielerisches Coaching entwickeln Kinder in Konfliktgebieten in Mali Resilienz, lernen zu reflektieren und miteinander zu kommunizieren.

Spielerische psychosoziale Unterstützung

Zweimal pro Woche leitet Hamadoun nach der Schule psychosoziale Einheiten für die Kinder an einem sicheren Ort.

Jede Sitzung beginnt mit Gesprächen über Themen wie Teamarbeit, Stressbewältigung oder Selbstvertrauen. Es folgen Dehnübungen, Spiele zur Vertiefung der Inhalte und eine gemeinsame Reflexion darüber, wie das Gelernte im Alltag angewendet werden kann.

Eines der Lieblingsspiele ist „Errate die Form“: Kinder bilden mit Seilen und Tüchern geometrische Formen, während andere versuchen, diese zu erraten. Der freundschaftliche Wettbewerb stärkt Wissen, aktives Lernen und Selbstvertrauen. Hamadoun erzählt, was ihn motiviert und begeistert: „Ich begleite die Kinder dabei, mit ihren Emotionen umzugehen und Konflikte zu lösen. Ich merke, wie Ängste und Stress spürbar abnehmen.“

Hassan Dara, die Kommunikationskoordinatorin bei Right To Play Mali, erläutert: „In Mopti gibt es keine Angebote, die Kindern helfen, ihr Trauma zu verarbeiten. Ohne Right To Play Coaches wären sie auf sich allein gestellt.“

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Durch gemeinsames Spielen nehmen Stress und depressive Verstimmungen bei Kindern deutlich ab.

Inklusiver Unterricht und Kinderrechte

Viele geflüchtete Kinder ziehen sich zurück, werden stumm und passiv. Besonders für Kinder mit Behinderungen ist das eine besondere Belastung, weil sie ohnehin unter Ausgrenzung leiden. Durch Schulungen bei Right To Play lernte Hamadoun, alle Kinder in seine Aktivitäten miteinzubeziehen.

„Ein Junge mit Behinderung wurde von anderen Kindern ausgeschlossen“, erinnert sich Hamadoun. „Aber durch gemeinsame Spiele haben wir gezeigt, dass alle Kinder gleich sind. Jetzt wird er von den anderen Kindern akzeptiert.“

Genau wie bei „Walk on Three Legs“ lernen die Kinder, dass sie nur durch Teamarbeit weiterkommen.

„Durch das Spielen haben die Kinder angefangen, zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu akzeptieren“, sagt Hamadoun. „Wir haben ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft geschaffen.“

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Zu sehen, wie Lächeln und Hoffnung in die Gesichter der geflüchteten Kinder zurückkehren, ist für Coach Hamadoun die größte Motivation.