Für Julienne ist es mehr als ein Klopfen an der Tür – es ist ein Schritt in eine neue Welt voller Möglichkeiten, für sich und die anderen Kinder in ihrer Gemeinde. Die 12-Jährige aus Ruanda zieht von Tür zu Tür, um ablehnende, manchmal auch feindselige Eltern davon zu überzeugen ihre Kinder zur Schule anstatt zur Arbeit zu schicken. „Die Eltern, die sich am meisten wehren, sind meist selbst nie zur Schule gegangen,“ sagt die junge Aktivistin.

In einer Region, in der tausenden Kindern der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt – viele arbeiten unter gefährlichen Umständen, um die Familie finanziell zu unterstützen – sucht Julienne den Kontakt zu den Eltern und verbreitet ihre Botschaft:

„Alle Kinder - Mädchen wie Jungen - haben es verdient zur Schule zu gehen. Sie haben ein Recht darauf zu entscheiden, welchen Beruf sie erlernen wollen."

Große Worte und noch viel größere Taten für einen so jungen Menschen.

Durch die spielbasierten Aktivitäten im Right To Play „Leadership Club“ ihrer Schule hat Julienne viel über ihre eigenen Recht erfahren und gelernt, ihre Stimme für sich und andere Kinder einzusetzen. Die Spiele im Klub gaben ihr Selbstvertrauen. Sie lernte tiefverwurzelten Problemen mit überzeugenden Argumenten entgegenzutreten – ob im persönlichen Gespräch oder auch öffentlichkeitswirksam in Form von Theateraufführungen.

Als Initiatorin der „Let Girls Go Back to School“ Kampagne bewegte sie einflussreiche Persönlichkeiten der Gemeinde und die restlichen 125 Mitglieder des Leadership Clubs, sich für die Bildungschancen der Mädchen in ihrer Gemeinde einzusetzen. „Der Fokus liegt auf einem Problem, dass uns alle betrifft,“ betont Julienne entschlossen.

Mit Erfolg! Ein Beispiel: Innerhalb von drei Monaten haben sich 78 Kinder, die noch nie zur Schule gegangen sind oder zuvor abgebrochen haben, zum Unterricht angemeldet - mit der Unterstützung der ehemals unnachgiebigen Eltern.

Um zu zeigen, wie wichtig Bildung für eine sichere Zukunft ist, besuchten Julienne und ihr Team die Familien zuhause: Einerseits um die abwesenden Kinder ausfindig zu machen, andererseits um den Dialog mit den Eltern zu suchen. Die Begleitung der Kinder durch einflussreiche Persönlichkeiten der Gemeinde verlieh dem Anliegen zusätzliches Gewicht.

Auch außerhalb der Hausbesuche gelang es den jungen Aktivisten Aufmerksamkeit für die Bildungschancen von Mädchen zu wecken. Um dem wichtigen Anliegen eine größere Bühne verschaffen, führten die Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren zusätzlich Theaterstücke auf. Kinderrechte und Bildung wurden hierbei als mächtiges Gegenstück zur Kinderarbeit präsentiert.

Der Klub, mittlerweile ein fester Bestandteil der Gemeinde, führt Juliennes Mission, Grenzen abzubauen und Türen zu öffnen, fort. Julienne selbst steht eine selbstbestimmte Zukunft bevor. „Unser Klub hat mich gelehrt, mich um mich selbst, meine Freunde und andere zu kümmern. Ich möchte gerne Ärztin werden, weil es mir große Freude bereitet anderen zu helfen.“ Julienne hat ihr großes Potential genutzt und bestärkt jetzt andere Kinder darin, ihr ganz eigenes zu entdecken.

Mit Ihrer Unterstützung können wir mehr Mädchen wie Julienne stark machen.